Handgemachte Kleidung, Nähen

Genähtes // Ein Hinterland Dress aus Bettwäsche

Wie Wege von Inspiration und Muse sind manchmal unergründlich. Ich verfüge mittlerweile über eine recht ansehnliche und heiss geliebte Stoff-Sammlung. Eigentlich habe ich auch für all diese Stoff-Schätze schon die Kleidungsstücke im Kopf, die daraus einmal werden sollen. Kleidungsstücke, die ich wirklich gerne hätte. Also am liebsten jetzt schon fertig in meinem Kleiderschrank hängend. Aber warum auch immer, konnte ich mich zu Beginn des Jahres eine ganze Weile lang nicht dazu überwinden, mich an die Nähmaschine zu setzen.

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Ich hatte eine Näh-Blockade.

Und dann hörte ich auf dem Weg zur Arbeit eine Folge des wunderbaren “Love to sew” Podcasts, in der es um das Thema Upcycling beim Nähen ging. Helen und Caroline, die beiden Frauen hinter dem Podcast, zählten eine Liste an Quellen für Stoffe auf, die man wunderbar für Kleidung upcyceln kann. Unter anderem fiel das Wort Bettwäsche.

Und genau das war der Moment, in dem mich die Inspiration getroffen hat wie ein Blitz.

Denn ich hatte eine riesengroße Bettwäsche für genau solche Zwecke zu Hause gehortet. Und auf einmal wusste ich ganz genau, was daraus werden sollte und konnte es kaum erwarten loszulegen. Es kribbelte mir richtig in den Fingern, endlich zu Hause anzukommen und den Stoff noch einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um ihn auf seine Tauglichkeit für meine Ideen zu überprüfen.

Zum Glück passte alles! Weicher, fließender Baumwoll-Stoff, der nicht zu durchscheinend ist. Also perfekt für meine Idee: Ein Hinterland Dress von Sew Liberated. Den Schnitt wollte ich schon lange einmal ausprobieren. Es liegt sogar schon ein wunderschönes Stück Viskose-Leinen in meinem Nähzimmer, um in ein Hinterland Dress verwandelt zu werden. Aber ich sagte ja bereits: Die Wege von Inspiration sind unergründlich. Darum musste wohl als erstes diese Bettwäsche in ein Kleid verwandelt werden, bevor die Viskose dann hoffentlich bald folgen kann.

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Welche Version des Hinterland Dress habe ich genäht?

Da der weiße Stoff mit dem zarten blauen Muster für mich eindeutig nach einem Sommerteil aussah, habe ich mich für die ärmellose Variante des Kleides entschieden. Eigentlich bin ich kein allzu großer Fan von ärmelloser Kleidung, aber ich habe auf Instagram eine Empfehlung von Meg – der Designerin hinter dem Label – gelesen, die besagt, dass ein ärmelloses Baumwoll- oder Leinenkleid in keiner Sommergarderobe fehlen darf. Einfach, weil es so vielseitig kombiniert werden kann. Denn man kann über einem ärmellosen Kleid ganz einfach vorne geknotete T-Shirts tragen und hat durch diesen Styling-Trick die Möglichkeit, aus einem einzelnen Kleid zahlreiche Outfits zu zaubern. Da ich ja immer noch von einer kleinen, aber feinen Capsule Wardrobe träume, konnte mich dieses Argument natürlich direkt überzeugen. Zumal es auf Megs Instagram Feed super viele tolle Beispiel-Outfits von ihr gibt, in denen sie das Kleid auf diese Weise gestylt hat. Und ich liebe Megs Art, sich zu kleiden wirklich sehr. #fangirl

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Bezüglich der Knopfleiste musste ich gar nicht lange überlegen. Ich bin den durchgeknöpften Kleidern und Röcken, die man gerade überall sieht, absolut verfallen und brauche selber dringend mehr davon. Darum stand für mich von Anfang an fest, die Version mit durchgängiger Knopfleiste zu nähen.

Welche Änderungen habe ich an dem Hinterland Dress gemacht?

Ich habe die Größe des Oberteils entsprechend meiner Maße ausgewählt und den Rockteil zwei Nummern kleiner zugeschnitten. Ich wusste, dass das Kleid einen sehr weiten und stark gekräuselten Rock hat und wollte vermeiden, dass die Kräuselung zu sehr aufbauscht und aufträgt. Darum habe ich auf diese Weise etwas der Mehrweite herausgenommen.

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Außerdem habe ich den Rock (und damit auch die Knopfleiste) fast 30 cm länger zugeschnitten. Ich wollte auf jeden Fall ein Kleid in Maxilänge haben, darum bin ich beim Zuschneiden auf Nummer sicher gegangen und habe die finale Länge dann erst zum Schluss beim Säumen und nach einem Trage-Test festgelegt.

Meine letzte Anpassung war ein Experiment. Denn ich hatte mich auf Instagram in das Bild dieses Kleides mit abgerundetem Saum verliebt und wollte dies für mein Hinterland Kleid umsetzen. Wahrscheinlich gibt es in den Weiten des Internets zahlreiche easy Tutorials, um abgerundete Säume hinzubekommen. Aber irgendwie bin ich an dem Tag nicht darauf gekommen, nach einem solchen zu suchen und habe auf eigene Faust losgelegt. Damit habe ich mich etwas schwer getan und das Ergebnis ist auch nicht sooo super geworden, wie es mir erhofft habe. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit und trage das Kleid trotzdem gerne. Für einen weiteren Versuch würde ich aber dann noch mal nach Tutorials suchen. 🙂

Nähprozess & Anleitung

Die Anleitung ist sehr ausführlich und wirklich super gut beschrieben. Es gibt zu allen Schritten Zeichnungen und klare Erklärungen, so dass ich keine Probleme beim Nähen hatte. Es ist mir wirklich sehr gut von der Hand gegangen, auch wenn ich immer nur in kleinen Abschnitten über ein paar Wochen hinweg an dem Kleid gearbeitet habe, hatte ich keine Probleme, auch nach ein paar Tagen Pause die Arbeit wieder aufzunehmen und zum nächsten Schritt überzugehen.

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Wie zufrieden bin ich mit dem Ergebnis?

Um es kurz zu sagen: sehr! Ich finde den Sitz des Kleides super. Ärmellose Kleidungsstücke bergen ja immer die Gefahr in sich, dass man durch die Armlöcher den BH hervorblitzen sieht und das ist hier absolut nicht der Fall. Die Größenwahl war für mich auch die richtige. Ich finde es sehr bequem und luftig für den Sommer, ohne dass es zu groß und sackig wirkt. Durch den eingenähten Gürtel, kann man die Weite der Taille zusätzlich nach den eigenen Vorlieben anpassen und ich mag es am liebsten, wenn ich den Gürtel recht eng hinten im Rücken knote, denn so erhält das Kleid mehr Silhouette und passt besser zu meinem Körpertyp.

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Wenn ich meine zweite Version des Hinterland nähe, werde ich den Oberkörper um ca. 3cm verlängern, denn die Taillen-Naht sitzt für mich ein klein wenig zu hoch. Ansonsten bin ich mit der Passform sehr happy.

Und das Trage-Gefühl ist einfach der Hammer. Dank dieses Kleides kann ich jetzt verstehen, warum überall in der weltweiten Näh-Szene der Satz “Es hat Taschen!” nicht nur ein unschlagbares Verkaufs-Argument ist, sondern fast wie eine magische Zauberformel, ein Mantra oder der Zugangscode für einen Geheimclub behandelt wird. Denn: Oh mein Gott! Es hat Taschen! Ein Kleid zu tragen, bei dem man lässig die Hände in die Taschen stecken kann, ist pure Glückseligkeit. Ich werde dieses Hinterland Kleid für immer als mein erstes Kleid mit Taschen in Erinnerung behalten.

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Und eines ist klar: Ich brauche jetzt ganz dringend mehr davon! Darum hoffe ich, in meinem Urlaub im August etwas Zeit in meinem Nähzimmer verbringen zu können, um den Viskose Stoff auch endlich in ein Kleid mit Taschen verwandeln zu können.

Seit ihr auch Mitglieder im Club “Und das Beste ist: Es hat Taschen!”? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Alles Liebe – Wiebke


Verlinkt bei: Du für dich am Donnerstag

Handgemachte Kleidung, Nähen

Eine Raglan-Else für den Herbst // Sommersweat in Orange & Grau

Meine Liebe für Rost-Orange hört einfach nicht auf. Gekauft habe ich die Stoffe für dieses Kleid bereits im Früh-Sommer zusammen mit dem Cordstoff für meine SoHo Shorts und fand die Farben zu dem Zeitpunkt schon großartig. Aber jetzt im Herbst passen sie natürlich einfach noch hundert Mal besser.

Darum freue ich mich darauf, euch heute meine herbstliche Raglan-Else zu präsentieren.

Schnitt: Raglan-Else von Schneidermeistern

Stoff: Sommersweat in dunkelgrau-meliert und rost-organge aus dem Mönchengladbacher Stoff-Outlet

Variante: Mit 3/4 Arm

Anpassung: Ohne Kapuze, dafür mit Halsbündchen

Beim Nähen dieses Kleides habe ich mich tatsächlich an meinen allerersten Pattern-Hack getraut! Whoop Whoop! Ich hatte von Anfang an die klare Vision eines Kleides im Baseball-Shirt Look. Und dazu passt natürlich keine Kapuze. Für den Look muss ein Halsbündchen in Kontrastfarbe her, sonst funktioniert er nicht. Also habe ich mich zum ersten mal in meiner Nähkarriere getraut, von den Anleitungen abzuweichen und eine Mini-Anpassung vorzunehmen. Dazu habe ich einfach online nach einer Formel zur Berechnung der Halsbündchen-Länge gesucht und mich dann mutig ans Werk gemacht. Und siehe da: Es hat überhaupt nicht weh getan! Und noch besser: Ich bin mit dem Ergebnis sogar sehr zufrieden.

Ich finde es großartig, dass dieses Kleid ein perfektes Kleidungsstück für die Zwischen-Jahreszeiten ist. Durch den Sommersweat und die längeren Ärmel ist es warm genug für den Herbst. Zusammen mit einer Strumpfhose fühle ich mich so auch noch gut angezogen selbst wenn die Tage usseliger werden. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass es mit einer Thermo-Strumpfhose und einem Blazer auch noch im Winter funktionert.

Weil ich durch meinen ersten Pattern-Hack jetzt schon so viel Mut getankt habe, spiele ich nun auch mit dem Gedanken, das Kleid zu einem einfachen Baseball-Shirt umfunktionieren. OK erwischt… Ich weiß, dass es hierfür nur ein einfaches Kürzen des Schnittes bedarf und sogar ich dafür nicht besonders viel Mut aufbringen muss. *lach*

Aber ich gebe zu: Auch das habe ich bisher noch nie gemacht. Es hat sich einfach noch nicht ergeben. Ich merke jedoch, dass ich immer mehr Spaß daran habe zu überlegen, wie man Schnittmuster aus der eigenen Sammlung umfunktionieren und verändern kann, so dass neue Teile daraus entstehen und man nicht ständig neue Muster kaufen muss. Ich bin gespannt, in wie weit ich mich mit diesem Thema in Zukunft noch intensiver beschäftigen kann. Fürs Erste habe ich aber noch genug Schnittmuster zu Hause liegen, die ich noch gar nicht ausprobiert habe. Und die wollen zuerst getestet werden! Also schön eins nach dem anderen…

Mit diesem Beitrag wandere ich zu “Du für Dich am Donnerstag” und zu “Woman on fire“.

Alles Liebe von Wiebke