Handgemachte Kleidung, Nähen

Genähtes // Ein Hinterland Dress aus Bettwäsche

Wie Wege von Inspiration und Muse sind manchmal unergründlich. Ich verfüge mittlerweile über eine recht ansehnliche und heiss geliebte Stoff-Sammlung. Eigentlich habe ich auch für all diese Stoff-Schätze schon die Kleidungsstücke im Kopf, die daraus einmal werden sollen. Kleidungsstücke, die ich wirklich gerne hätte. Also am liebsten jetzt schon fertig in meinem Kleiderschrank hängend. Aber warum auch immer, konnte ich mich zu Beginn des Jahres eine ganze Weile lang nicht dazu überwinden, mich an die Nähmaschine zu setzen.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_7

Ich hatte eine Näh-Blockade.

Und dann hörte ich auf dem Weg zur Arbeit eine Folge des wunderbaren “Love to sew” Podcasts, in der es um das Thema Upcycling beim Nähen ging. Helen und Caroline, die beiden Frauen hinter dem Podcast, zählten eine Liste an Quellen für Stoffe auf, die man wunderbar für Kleidung upcyceln kann. Unter anderem fiel das Wort Bettwäsche.

Und genau das war der Moment, in dem mich die Inspiration getroffen hat wie ein Blitz.

Denn ich hatte eine riesengroße Bettwäsche für genau solche Zwecke zu Hause gehortet. Und auf einmal wusste ich ganz genau, was daraus werden sollte und konnte es kaum erwarten loszulegen. Es kribbelte mir richtig in den Fingern, endlich zu Hause anzukommen und den Stoff noch einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um ihn auf seine Tauglichkeit für meine Ideen zu überprüfen.

Zum Glück passte alles! Weicher, fließender Baumwoll-Stoff, der nicht zu durchscheinend ist. Also perfekt für meine Idee: Ein Hinterland Dress von Sew Liberated. Den Schnitt wollte ich schon lange einmal ausprobieren. Es liegt sogar schon ein wunderschönes Stück Viskose-Leinen in meinem Nähzimmer, um in ein Hinterland Dress verwandelt zu werden. Aber ich sagte ja bereits: Die Wege von Inspiration sind unergründlich. Darum musste wohl als erstes diese Bettwäsche in ein Kleid verwandelt werden, bevor die Viskose dann hoffentlich bald folgen kann.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_6

Welche Version des Hinterland Dress habe ich genäht?

Da der weiße Stoff mit dem zarten blauen Muster für mich eindeutig nach einem Sommerteil aussah, habe ich mich für die ärmellose Variante des Kleides entschieden. Eigentlich bin ich kein allzu großer Fan von ärmelloser Kleidung, aber ich habe auf Instagram eine Empfehlung von Meg – der Designerin hinter dem Label – gelesen, die besagt, dass ein ärmelloses Baumwoll- oder Leinenkleid in keiner Sommergarderobe fehlen darf. Einfach, weil es so vielseitig kombiniert werden kann. Denn man kann über einem ärmellosen Kleid ganz einfach vorne geknotete T-Shirts tragen und hat durch diesen Styling-Trick die Möglichkeit, aus einem einzelnen Kleid zahlreiche Outfits zu zaubern. Da ich ja immer noch von einer kleinen, aber feinen Capsule Wardrobe träume, konnte mich dieses Argument natürlich direkt überzeugen. Zumal es auf Megs Instagram Feed super viele tolle Beispiel-Outfits von ihr gibt, in denen sie das Kleid auf diese Weise gestylt hat. Und ich liebe Megs Art, sich zu kleiden wirklich sehr. #fangirl

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_2

Bezüglich der Knopfleiste musste ich gar nicht lange überlegen. Ich bin den durchgeknöpften Kleidern und Röcken, die man gerade überall sieht, absolut verfallen und brauche selber dringend mehr davon. Darum stand für mich von Anfang an fest, die Version mit durchgängiger Knopfleiste zu nähen.

Welche Änderungen habe ich an dem Hinterland Dress gemacht?

Ich habe die Größe des Oberteils entsprechend meiner Maße ausgewählt und den Rockteil zwei Nummern kleiner zugeschnitten. Ich wusste, dass das Kleid einen sehr weiten und stark gekräuselten Rock hat und wollte vermeiden, dass die Kräuselung zu sehr aufbauscht und aufträgt. Darum habe ich auf diese Weise etwas der Mehrweite herausgenommen.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_1

Außerdem habe ich den Rock (und damit auch die Knopfleiste) fast 30 cm länger zugeschnitten. Ich wollte auf jeden Fall ein Kleid in Maxilänge haben, darum bin ich beim Zuschneiden auf Nummer sicher gegangen und habe die finale Länge dann erst zum Schluss beim Säumen und nach einem Trage-Test festgelegt.

Meine letzte Anpassung war ein Experiment. Denn ich hatte mich auf Instagram in das Bild dieses Kleides mit abgerundetem Saum verliebt und wollte dies für mein Hinterland Kleid umsetzen. Wahrscheinlich gibt es in den Weiten des Internets zahlreiche easy Tutorials, um abgerundete Säume hinzubekommen. Aber irgendwie bin ich an dem Tag nicht darauf gekommen, nach einem solchen zu suchen und habe auf eigene Faust losgelegt. Damit habe ich mich etwas schwer getan und das Ergebnis ist auch nicht sooo super geworden, wie es mir erhofft habe. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit und trage das Kleid trotzdem gerne. Für einen weiteren Versuch würde ich aber dann noch mal nach Tutorials suchen. 🙂

Nähprozess & Anleitung

Die Anleitung ist sehr ausführlich und wirklich super gut beschrieben. Es gibt zu allen Schritten Zeichnungen und klare Erklärungen, so dass ich keine Probleme beim Nähen hatte. Es ist mir wirklich sehr gut von der Hand gegangen, auch wenn ich immer nur in kleinen Abschnitten über ein paar Wochen hinweg an dem Kleid gearbeitet habe, hatte ich keine Probleme, auch nach ein paar Tagen Pause die Arbeit wieder aufzunehmen und zum nächsten Schritt überzugehen.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_4

Wie zufrieden bin ich mit dem Ergebnis?

Um es kurz zu sagen: sehr! Ich finde den Sitz des Kleides super. Ärmellose Kleidungsstücke bergen ja immer die Gefahr in sich, dass man durch die Armlöcher den BH hervorblitzen sieht und das ist hier absolut nicht der Fall. Die Größenwahl war für mich auch die richtige. Ich finde es sehr bequem und luftig für den Sommer, ohne dass es zu groß und sackig wirkt. Durch den eingenähten Gürtel, kann man die Weite der Taille zusätzlich nach den eigenen Vorlieben anpassen und ich mag es am liebsten, wenn ich den Gürtel recht eng hinten im Rücken knote, denn so erhält das Kleid mehr Silhouette und passt besser zu meinem Körpertyp.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_3

Wenn ich meine zweite Version des Hinterland nähe, werde ich den Oberkörper um ca. 3cm verlängern, denn die Taillen-Naht sitzt für mich ein klein wenig zu hoch. Ansonsten bin ich mit der Passform sehr happy.

Und das Trage-Gefühl ist einfach der Hammer. Dank dieses Kleides kann ich jetzt verstehen, warum überall in der weltweiten Näh-Szene der Satz “Es hat Taschen!” nicht nur ein unschlagbares Verkaufs-Argument ist, sondern fast wie eine magische Zauberformel, ein Mantra oder der Zugangscode für einen Geheimclub behandelt wird. Denn: Oh mein Gott! Es hat Taschen! Ein Kleid zu tragen, bei dem man lässig die Hände in die Taschen stecken kann, ist pure Glückseligkeit. Ich werde dieses Hinterland Kleid für immer als mein erstes Kleid mit Taschen in Erinnerung behalten.

DrinnenundDraussen_HinterlandDress_Bettwaesche_5

Und eines ist klar: Ich brauche jetzt ganz dringend mehr davon! Darum hoffe ich, in meinem Urlaub im August etwas Zeit in meinem Nähzimmer verbringen zu können, um den Viskose Stoff auch endlich in ein Kleid mit Taschen verwandeln zu können.

Seit ihr auch Mitglieder im Club “Und das Beste ist: Es hat Taschen!”? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Alles Liebe – Wiebke


Verlinkt bei: Du für dich am Donnerstag

Stricken

Gestricktes // Slice of light Shawl von SoSu Knits

Vor ein paar Wochen habe ich es endlich geschafft, meine liebe Mami zu einer Foto-Session zu überreden. Und zwar nicht – wie man ja eigentlich denken könnte – zu einer Foto-Session für mich, sondern zu einer für sie. Denn meine Mama zaubert am laufenden Band die wunderschönsten Strickstücke UND sie besitzt einen Instagram Account. Da braucht sie natürlich dringend Instagram taugliche Tragefotos, damit sie ihre tollen Meisterwerke auch zeigen und mit der Strick-Community teilen kann. Wenn sie schon nicht bei Ravelry ist, dann wenigstens dort. Für das Shooting sind wir ein wenig in Düsseldorf Eller spazieren gegangen und haben schließlich eine fotogene Wiese mit schönem Schatten gefunden, die sich wunderbar als Kulisse eignete. Und was soll ich sagen? Die Fotos sind super geworden! Ich glaube, nach kurzem anfänglichen fremdeln hat es ihr dann sogar richtig Spaß gemacht. Schaut mal selbst – ich habe mir die Genehmigung geholt, ein Foto hier zeigen zu dürfen.

Drinnen und Draussen Blog

Da wir bei dem Spaziergang ja schon die Kamera dabeihatten und ich mein kürzlich fertig gestelltes Slice of light Tuch trug, haben wir die Situation genutzt und kurz die Rollen getauscht. So hat meine Mama auch noch ein paar tolle Tragefotos für mich geschossen und ich habe euch hier endlich mal wieder ein neues Memade-Teil zu zeigen. Freu!

Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl

Dabei ist mir aufgefallen, dass ich hier noch nie einen Blogartikel über ein gestricktes Tuch veröffentlicht habe. [edit: mir ist aufgefallen – das stimmt gar nicht. Hier habe ich schon mein Drachenfels Tuch verbloggt. Aber es sind trotzdem viel zu viele Tücher noch unverbloggt.] So eine Schande! Warum eigentlich nicht? Ich weiß es nicht. Vielleicht dachte ich immer so etwas wie: Es ist ja „nur“ ein Accessoire und damit lohnt es sich nicht, einen Artikel darüber zu schreiben. Aber das ist ja eigentlich totaler Quatsch! In meinen großen Stricktüchern stecken viele Wochen Arbeit, hochwertigste Wolle und nicht weniger Gedanken und Liebe als in meinen anderen handgemachten Kleidungsstücken auch. Und darum sollte eigentlich auch nachträglich noch jedes meiner Tücher einen eigenen Blogbeitrag hier bekommen. Mal sehen, ob ich das noch nachholen werde.

Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl

Aber den Anfang mache ich jetzt jedenfalls mit diesem Slice of light Tuch.

Ich habe es relativ spontan gemeinsam mit den Strickelfen im alljährlichen #strickelfenKAL gestrickt. Hinter den Strickelfen verbirgt sich eine Stricktruppe rund um Jane – alias Frau Jetztkochtsieauchnoch –, Steffi – alias Frau Feierabendfrickeleien -, Julia-Maria – alias Frau Feinmotorik – und viele weitere fantastische und nette Strickerinnen, die auf Instagram und teilweise auch auf eigenen Strickblogs sehr aktiv sind. Diese Gruppe veranstaltet einmal jährlich einen Knit-Along, zu dem auch andere Strickerinnen herzlich eingeladen sind. Und weil mir die Aktion so gut gefällt und es sich in Gemeinschaft doppelt so schön strickt, bin ich spontan mit eingestiegen.

Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl

Das Thema des KALs war „Tücher von SoSu Knits“ und so habe ich mich für den Slice of light Shawl entschieden. Ich habe schon so viele tolle Modelle von diesem Tuch gesehen und so viel Gutes über das Muster gehört, dass ich es unbedingt ausprobieren wollte.

Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl

Gestrickt habe ich es aus zwei Strängen Madeline Tosh Merino light und einem Strang Silk Mohair. Die Wolle stammt komplett aus meinem Stash. Tatsächlich sind die beiden Madeline Tosh Stränge sogar die allerersten handgefärbten Garnstränge, die ich gekauft habe. Das Silk Mohair habe ich letztes Jahr auf dem Wollfestival Düsseldorf bei 7oczek erstanden.

Den kompletten ersten Teil des Tuches – die breiten rechts-links Streifen habe ich in unserem Urlaub in Kattwijk gestrickt, in dem auch die Fotos für meinen Balloon Cardigan entstanden sind. Ich erinnere mich noch gut daran, dass Steffi – Frau Feierabendfrickeleien – im Frickelcast darüber berichtete, wie schnell und kurzweilig sich dieses Tuch strickt. Aber als ich es dann selber erlebt habe, war ich trotzdem erstaunt. Die Streifen gingen mir wirklich unfassbar schnell von der Hand. Durch das Muster – auch wenn es so ein einfaches rechts-links Muster ist – kommt das Stricken so abwechslungsreich daher, dass man im Nullkommanix fertig ist.

Nachdem dieser Teil fertig war, begann meine persönliche Herausforderung. Denn dann kamen die Abschnitte im Brioche (oder anders gesagt: Patent) Muster. Daran hatte ich mich bis zu dem Zeitpunkt noch nie versucht.

Dank des regen Austauschs mit den anderen Strickerinnen auf Instagram, habe ich von der lieben Frau Feierabendfrickeleien einen super Tipp erhalten. Sie empfahl mir, die Brioche Videos von Crasy Sylvie auf Youtube anzuschauen. Sylvie strickt Brioche Muster mit der Methode der tiefergestochenen Maschen, die gerade für Anfänger etwas einfacher und übersichtlicher ist. Und genau das habe ich getan. Ich habe mir die Videos mehrmals angesehen und dann genau so umgesetzt. Hat super gut geklappt und hat kein einziges bisschen weh getan. Kann ich jeder Strickerin nur empfehlen, die sich bisher noch nicht an ein- oder zweifarbiges Patent herangetraut hat. Mit dieser Methode klappt es ganz bestimmt!

Und mit so viel Austausch und gegenseitigem Anfeuern habe ich es tatsächlich geschafft, das Tuch in den vier Wochen des KALs fertig zu stricken. Wenn man es ganz genau nimmt, habe ich mit Blocken und Fäden vernähen 3 Tage länger gebraucht. Aber das zählt immer noch, finde ich. 😉 So schnell war ich noch nie und neben dem Corona Lockdown rechne ich diese Bestzeit auf jeden Fall dem Motivationsschub durch den KAL zu.

Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl
Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl
Drinnen und Draussen Blog Slice of light Shawl

Dafür ganz, ganz herzlichen Dank an alle Strickelfen! Ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt und hoffe, in einem der nächsten KALs wieder mit von der Partie zu sein.

Hier kommen noch einmal die Projekt-Details im Überblick:

Modell: Slice of light Shawl von SoSu Knits (Link zu Ravelry)

Wolle: Je ein Strang Madeline Tosh Merino light in den Farben Hi-Lo (rosa) und Rainwater (grau-blau), 1 Strang Silk Mohair von 7Oszek in der Farbe English Rose

Nadeln: Chiagoo 4mm (Link zum Maschenfein Shop / unbezahlte Werbung)

Hier könnt ihr euch meine Projektseite zu dem Tuch bei Ravelry ansehen.

Und weil heute passenderweise Dienstag ist, verlinke ich diesen Beitrag noch beim CreaDienstag.

Alles Liebe – Wiebke