Bloggertalk, Shoppingfreies Jahr 2018

Shoppingfreies Jahr 2018 // Blogger-Talk mit Elke von Elle Puls

Damit wir während unseres shoppingfreien Jahres immer mit frischem Input und Inspiration versorgt sind, habe ich einige Nähbloggerinnen auf den Blog eingeladen und zum Interview gebeten.

Den Anfang hat im Januar die liebe Fredi von Seemannsgarn handmade gemacht. Heute freue ich mich, Elke hier auf dem Blog begrüßen zu dürfen. Elke setzt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema Nähen & Stilfindung auseinander und berichtet auf ihrem Blog Elle Puls über ihre Erfahrungen. Vor einigen Wochen hat sie passend dazu ihren Podcast “Näh deinen Stil” ins Leben gerufen. Also freut euch auf die Erkenntnisse, an denen uns die Expertin im Interview teilhaben lässt …


Wie lange nähst du schon Kleidung für dich selber und wie bist du zum Nähen gekommen?

Ich habe 2 Söhne und eine kleine Tochter. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich angefangen, Upcyclingprojekte für die Kinder zu nähen. Bodies aus T-Shirts meines Mannes, zu kurze Shirts verlängert etc. Danach habe ich begonnen, nach Ottobre Heften für die Kinder zu nähen bis ich irgendwann gemerkt habe, dass es doch mehr Sinn macht, für mich selbst zu nähen. Die Kinder sind den Kleidern immer so schnell entwachsen. Und als ich das erste Shirt mit überlangen Ärmeln anziehen durfte, war ich glücklich, denn im Laden sind mir die meisten Sachen mit meinen 1,82 m immer etwas zu kurz. Kleine Accessoires und Kissen habe ich aber schon als Jugendliche genäht.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Welche Kleidungsstücke dürfen in deinem Kleiderschrank auf keinen Fall fehlen und mit welchen (eventuell gerade angesagten) Teilen oder Schnitten wirst du nicht warm?

Mein Stil ist unaufgeregt, schlicht, sportlich. Ich suche immer eine unaufgeregte Extravaganz auch wenn sich das auf den ersten Blick widersprüchlich anhört. Damit meine ich, dass ich lieber einen etwas ausgefalleneren Schnitt mit schlichtem Stoff wähle als einen schlichten Schnitt mit auffallendem Stoff. Ich finde, bei schlichten Stoffen sieht man die Schnittführung besser. Das ist meins. Bei mir im Schrank dürfen auf keinen Fall schmale Hosen und Strickjacken fehlen.

Womit ich gerade (für mich) noch nicht warm werde ist der aktuelle Rüschentrend. Ich sehe immer wieder schöne Beispiele, doch habe ich das Gefühl, dass sie nicht zu mir passen wollen. Ich bin kein Trendsetter, ich brauche immer eine Weile bis ich mich an einen neuen Look gewöhnt habe und springe manchmal verspätet oder nicht auf einen Trend auf. Schnitte mit A-Linie sind definitiv nicht mein Ding. Das sieht bei mir immer nach Nachthemd aus.

Du dokumentierst auf deinem Blog ja bereits seit mehreren Jahren deinen Weg der Stilfindung, bzw. Stilentwicklung. In wieweit hängt Nähen für dich mit dem Thema Stilfindung zusammen?

Die Stilfindung war gleich vom ersten Moment an mit dem Nähen verbunden. Mein erstes Shirt für mich war aus türkisem Jersey mit apfelgrünen Bündchen und als Eyecatcher gab es noch ein gehäkeltes Äpfelchen dazu. Da merkte man den Farbenmix-Einfluss, denn dort habe ich mich damals für die Kinder inspirieren lassen. Das Shirt habe ich dann auch nur ein mal in der Öffentlichkeit getragen. So stellte sich die Frage, was mein Stil sein sollte. Da ich mich bei der Planung für ein neues Kleidungsstück unweigerlich mit dem Thema Farbe und Schnitt auseinandersetzen muss/darf, ist es für mich wichtig eine Art Fahrplan zu haben um Schrankleichen zu vermeiden.
Die Frage nach dem eigenen Stil wirft auch die Frage auf, was man eigentlich nach außen hin verkörpern möchte. Mir hat die Auseinandersetzung mit meinem Stil und mir selbst mehr Klarheit gegeben. Ich weiß jetzt besser, was ich will und was nicht. Und das nicht nur bei der Kleidung.

Du hast auf dem Gebiet der Stilentwicklung ja schon einiges an Erfahrungen gesammelt und viele Dinge ausprobiert – zum Beispiel hast du schon Farb- und Stil-Beratungen in Anspruch genommen, selber ein shoppingfreies Jahr eingelegt und auf deinem Blog Aktionen rund um das Thema ins Leben gerufen. Welche Maßnahmen haben dir auf deinem Weg am meisten geholfen und dich deinem Stil wesentlich näher gebracht? Wodurch hast du am meisten gelernt? Welche Schritte würdest du weiterempfehlen?

Den schnellsten Erfolg habe ich mit der Farbberatung gehabt. Instinktiv habe ich schon die richtigen Farben gewählt, aber immer mit merkwürdigen Ausreißern. Kühle Farben mit wenig Kontrast stehen mir am besten, also nicht schwarz-weiß geringelt sondern eher off-white-grau geringelt um ein Beispiel zu nennen. Ich habe mich dann selbst auf die Farben grau, blau, weiß, rosé und “schmutziges mint” eingschränkt. Dadurch passen schon mal alle Teile in meinem Kleiderschrank farblich wunderbar zusammen.

Das erleichtert auch den Einkauf von Stoffen. Ich gehe mit meinem persönlichen “Farbscanner” durch Stoffläden und blende mittlerweile gleich alle anderen Farben aus. Anfangs habe ich dazu einen Farbpass von meiner Beraterin mitgenommen. Den brauche ich jetzt nicht mehr. Ich weiß welche Farben und Nuancen ich haben möchte. Ich habe alle anderen Farben aus meinem Schrank verbannt. Dadurch sieht mein Schrankinhalt schön stimmig aus und macht Lust, sich etwas daraus auszusuchen.

Danach habe ich mich zu meinem Körpertyp beraten lassen, sprich, welche Schnitte mir am besten stehen. Da bin ich nicht so stringent, aber es hilft auch wieder, eine klarere Linie für sich zu finden.

Durch diese vermeintlichen “Einschränkungen” schärft man sein Profil. Ich höre jetzt öfter, dass die Farbe oder das Kleidungsstück “typisch Elke” sei. Für mich ist das ein Zeichen, dass ich so langsam einen Wiedererkennungseffekt mit meiner Kleidung erziele. Man kann diesen Rahmen, den ich mir gesetzt habe auch als Stützräder verbildlichen. Wenn man denn Fahrrad fahren kann, kann man die Stützräder abmontieren, sprich, ohne Farbpass einkaufen gehen. Freihändig fahren wäre dann, mal mutig etwas Neues auszuprobieren. Das ist meine Herangehensweise mit der ich zufrieden bin. Sie hat mein Leben vereinfacht. Ich finde immer eine gute Outfit-Kombination, wenn ich morgens vor dem Kleiderschrank stehe.

Erzähl uns doch noch ein bisschen mehr von deinem shoppingfreien Jahr. Was hat den Auslöser dafür gegeben? Wie ist das Jahr für dich gelaufen? Wie bewertest du die Erfahrung? Ist dir der Verzicht schwer gefallen? Welche waren die größten Herausforderungen, die du meistern musstest?

Der Verzicht ist mir überhaupt nicht schwer gefallen. Shoppen war seit den Kindern sowieso keine große Freude mehr. Mit Kinderwagen und ein bis drei Kindern durch die Läden zu ziehen war nie sehr zielführend. Und online zu shoppen ist keine gute Idee, weil ich die Retouren immer zu lange vor mir her schiebe…

Das Jahr war super. Ich habe mich nähtechnisch sehr weiter entwickelt und eben auch in Sachen Stil. Ich habe seitdem deutlich weniger Kleidung im Schrank, dafür aber deutlich mehr, was getragen wird. Die größte Herausforderung war das Nähen von Jeans. Ich habe in dem Jahr den Schnitt von meiner Lieblingsjeans abgenommen und mir zwei Hosen danach genäht, aber Jeansstoff ist nicht gleich Jeansstoff. Die Ergebnisse waren, sagen wir mal, durchwachsen.

Meine Regeln für das Jahr waren:

  • keine neue Kleidung kaufen außer Socken und Unterwäsche
  • Second Hand Kleidung ist erlaubt
  • selbst genähte Kleidung ist erlaubt

Ich habe kein einziges Second Hand Stück gekauft, weil ich auch nie danach suche.

Was hast du in dem Jahr gelernt? Welche Wirkung hatte der Konsumverzicht auf dich, deinen Alltag und deine Schneiderei? Gibt es etwas, auf das du besonders stolz bist?

Man braucht viel weniger als man immer meint. Es braucht nicht viele Kleidungsstücke um immer gut angezogen zu sein. Es braucht einfach die Richtigen. Das heißt, es macht Sinn, sich wirklich zu überlegen, welche Teile man braucht um verschiedene Outfits kombinieren zu können. Es braucht auch keine fancy Nähmaschine (obwohl ich welche habe). Ich hätte das alles auch mit einer einfachen Nähmaschine nähen können.

 

Der Konsumverzicht hat mir gezeigt, dass ich vorher viele Kleider einfach nur geshoppt habe um des Shoppen willens. Ich habe mich von Marken und Sonderangeboten leiten lassen. Der Grundgedanke ist jetzt ein ganz anderer. Manchmal kaufe ich etwas im Laden, aber dann ist es auch das Richtige. Ich kann auch 3 Stunden durch Geschäfte bummeln und nichts kaufen. Ich schaue mir lieber an was dort für Schnitte hängen und welche Stoffe von den Labels verwendet werden. Das inspiriert mich eher für neue Nähprojekte als zum Kauf.

Und jetzt zu deinen Plänen: Hast du dir für 2018 etwas Besonderes vorgenommen? Wie geht dein Weg der Stilentwicklung für dich weiter? Gibt es spannende Projekte oder Aktionen, von denen du erzählen möchtest?

Mein neues Projekt für dieses Jahr ist ein Podcast rund um das Thema Nähen und Stil. Der Podcast “Näh deinen Stil” ist schon gestartet. Es wird eine Mischung aus Interviews mit Personen aus der Nähszene und Solo-Episoden sein. Dadurch setze ich mich automatisch noch mehr mit dem Thema auseinander ohne meinen Schrank ständig neu zu füllen. Es macht mir Spaß über meine Garderobe zu sinnieren.

Aber es macht mir natürlich auch Spaß mir etwas zu nähen. Das wird in 2018 nicht ganz so viel werden, weil ich quasi durch Deutschland toure mit meinen Nähcamps. Bei meinen Nähcamps finden sich bis zu 40 begeisterte Hobbynäherinnen zusammen, um gemeinsam ein Wochenende lange zu nähen unter dem Motto “Zeit zum Nähen”. Wir haben immer einen Nähcoach dabei, der/die bei Fragen rund um Schnittänderung und Nähtechniken zur Verfügung steht. Zusätzlich kann man noch an einem Workshop teilnehmen. Ich sage nur #nähenverbindet.

Hast du einen Tipp, den du den diesjährigen Challenge-Mitstreiterinnen mit auf den Weg geben möchtest?

Arbeitet mit dem was ihr habt. Mit den Kleidern, die schon im Schrank hängen, mit den Stoffen, die schon im Regal liegen. Kauft neue Stoffe/ Kleider mit Bedacht, dann habt ihr länger Freude daran.

Alle Fotos von Elke Puls // Elle Puls

So ihr Lieben – ich hoffe, das Interview hat euch gefallen und ihr hattet beim Lesen genau so viele Erkenntnisse wie ich. Ich fühle mich durch Elke immer super inspiriert und bin sehr dankbar, dass sie sich – trotz ihres vollen Terminkalenders – die Zeit für unser Interview genommen hat.

Jetzt habe ich noch ein paar Klick-Tipps für euch – quasi die Show-Notes zu diesem Interview:

Habt ihr Lust, gemeinsam mit Elke zu Nähen und viele nähbegeisterte Frauen kennen zulernen? Dann schaut hier bei Elkes Nähcamp Tour vorbei. Vielleicht findet ihr ja einen Termin in eurer Nähe.

Elke entwirft und verkauft auch eigene Schnittmuster, z.B. das neue Knotenshirt “Mahé”. Schaut mal hier in ihrem Shop vorbei.

Super spannend für alle, die sich intensiver mit dem Thema Stilfindung auseinandersetzen möchten: Elke hat eine Blogserie mit dem Titel #klarheitimschrank gestartet. Hier findet ihr viele Tipps, um eure Garderobe stimmiger zu gestalten.

Und natürlich verlinke ich auch hier noch einmal zu dem sehr hörenswerten Podcast “Näh deinen Stil”. Ich habe alle Folgen auf einer langen Autofahrt hintereinander weg gehört und freue mich schon auf die nächsten Folgen.

So- jetzt habt ihr viel zu Lesen und zu Entdecken. Ich wünsche euch viel Spaß damit!

Alles Liebe – Wiebke